Korsika 2025 – die Kurve nach der Kurve

August 2025. Vier Räder, ein VW Bus und wir – meine kleine Familie – auf dem Weg nach Korsika. Die Fähre aus Genua spuckt uns in Bastia aus, und dann beginnt sie sofort: die Kurve nach der Kurve. Unser Bus, der tapfere Herr mit den müden Bremsen, ächzte sich die Serpentinen hoch, als wollte er sagen: „Junge, du hast mich zwar vollgepackt, aber ich mach das nur noch einmal für euch.“
Wir steuerten ins zentrale Hochland, Richtung Castifao. Dort oben, wo die Berge noch richtig atmen, hab ich die Drohne steigen lassen. Die Luftaufnahmen, die dabei rauskamen, zeigen das typische Korsika – wild, rau und wunderschön. Diese zerklüfteten Grate, die wie alte Narben durch die Landschaft ziehen, das Licht, das morgens wie flüssiges Gold in die Täler kriecht – das ist der Moment, in dem du merkst, warum du überhaupt fotografierst. Nicht für Likes. Sondern weil die Insel dir plötzlich zeigt, wie klein und gleichzeitig wie verbunden du bist.
Tagsüber sind wir viel gewandert. Enge Schluchten, in denen das Echo deiner Schritte klingt wie ein altes Lied, das nur für dich gespielt wird. Und dann das Baden in den Flüssen. Eiskaltes Wasser, das dir nach der brütenden Augusthitze den Atem raubt – ein Schock, der sich anfühlt wie ein Neustart.
Irgendwann sind wir runter ans Meer gefahren, Richtung Île Rousse. Die hellen Strände dort sind sehr schön und laden zum chillen ein – wenn da nicht diese korsische Rauheit wäre, die alles erdet. Wir haben uns durch den Wochenmarkt geschoben, zwischen duftenden Ständen, lauten Stimmen und dem Gefühl, wirklich angekommen zu sein. Ein Glas Honig hat den Weg in unseren Bus gefunden. Und noch eins. Und dann noch Wein, weil… na ja, weil man auf Korsika einfach nicht anders kann. Das Essen sowieso: einfach, ehrlich, und so gut, dass man danach nur noch sitzen und schauen will.



















Ajaccio – oder: Wo selbst die Wildschweine die Kurven übernehmen
Wir hatten uns schon dran gewöhnt: Korsika lässt dich nicht geradeaus fahren. Von der Nordküste runter in den Großraum Ajaccio wurde es nur noch kurviger. Unser Bus schnaufte tapfer weiter, als hätte er längst akzeptiert, dass Bremsen hier eher eine Empfehlung sind. Und plötzlich waren wir mittendrin in einer Landschaft, die einfach alles kann: noch schönere Strände, die das Licht so weich reflektieren, dass man fast vergisst, wie rau die Insel eigentlich ist. Und direkt dahinter wunderschöne Waldlandschaften, dicht, dunkelgrün, fast schon ein bisschen geheimnisvoll.
Die Luftaufnahmen, die ich hier gemacht habe, gehören zu meinen liebsten des ganzen Trips. Die Strände leuchten von oben wie helle Bänder aus Türkis und Gold, während die Felsformationen darunter aussehen, als hätte ein Riese mit Lust am Chaos einfach ein paar Brocken fallen lassen. Facettenreich ist ein schwaches Wort dafür – die Steine erzählen Geschichten, die älter sind als wir alle zusammen.
Tagsüber sind wir raus ins raue felsige Hochland. Auf dem Rücken von Pferden und Eseln. Das war keine romantische Postkarten-Tour, das war echt. Zwischen Kakteen, die ihre Stacheln in die heiße Luft recken, und Flechten, die sich wie graue Bärte an die Felsen klammern. Der Esel unter mir hat manchmal einfach stehen bleiben und mich angeschaut, als wollte er sagen: „Du glaubst echt, du kennst schon alle Kurven? Warte ab.“ Die Hitze, der Staub, der plötzliche Schatten eines Baumes – alles fühlte sich an, als würde die Insel einen testen. Und genau deswegen liebt man sie.
Abends dann der Running Gag der Reise: Wildschwein-Familien, die seelenruhig die Kurven kreuzen. Nicht ein einzelnes Tier, nein, ganze Sippen. Mama Wildschwein vorneweg, die Kleinen hinterher, als wären sie auf Familienausflug. Wir im Bus, Fenster runter, Lachen und gleichzeitig ein bisschen Respekt. „Die haben hier Vorfahrt“, hat meine Frau trocken gesagt. Und sie hatte recht. Die Insel gehört ihnen genauso wie uns – nur dass sie die Kurven schon viel länger kennen.
Zwischendurch haben wir natürlich wieder den Markt in Ajaccio unsicher gemacht. Der Duft von frischem Brot, Käse, Kräutern und diesem unglaublichen lokalen Honig – man kann einfach nicht anders, als den Bus weiter vollzupacken. Weinflaschen klapperten leise, Tüten raschelten, und irgendwann saß alles so eng, dass man fast schon wieder eine Kurve spürte, wenn man nur den Kopf drehte.
Ajaccio hat uns gezeigt, dass Korsika nicht nur eine Insel ist. Es ist ein ständiges Wechselspiel aus Weich und Hart, aus Strand und Stein, aus Familie und Wildnis. Und mittendrin immer diese Kurven. Mal mit dem Bus, mal mit dem Esel, mal mit einer Wildschwein-Familie vor der Motorhaube.





























Bonifacio – oder: Wenn jemand zwei Postkarten aneinandergeklebt hat
Bonifacio ist der Moment, in dem Korsika aufhört zu verhandeln und einfach nur noch zeigt, was es kann.
Weiße Felslandschaften, die steil ins Meer stürzen, darunter Strände, so hell, dass sie fast schon blenden. Es sieht aus, als hätte jemand eine Postkarte vom Karibikstrand genommen und sie ohne Übergang an eine Klippenlandschaft aus der Bretagne geklebt. Absurd schön. Und absolut echt.
Von oben mit der Drohne wird es fast unfair. Die weißen Strände leuchten wie frisch gewaschen, die Altstadt klebt wie ein Vogelnest an den Felsen, und dazwischen diese zerklüfteten Kalkformationen, die aussehen, als hätte die Insel selbst beschlossen, ein bisschen Drama in die Landschaft zu bringen.
Wir sind einfach nur dagestanden, haben geschaut und wenig gesagt. Manchmal reicht das schon. Dazu die gut riechende Meeresbriese in den Haaren und der Sand, der die Schiebetüre vom Bus zum chronischen knirschen bringt.




























Aiguilles de Bavella – oder: Der raue Abschied, den Korsika verdient
Die letzte Etappe führte uns zurück nach Bastia – über Zonza und die Aiguilles de Bavella. Wild, kantig, rau. Genau so, wie sich die Insel die ganze Zeit schon gezeigt hatte.
In nur einer Stunde wechselt die Landschaft von weißen Stränden zu diesen beeindruckenden Bergformationen, die aussehen, als hätte jemand riesige Granit-Nadeln in den Himmel gerammt. Die Drohne fing es ein: schroffe Gipfel, tiefe Täler, das Licht, das hart auf den Felsen bricht, mitten durch die Wolken. Unerreicht. Einfach.
In Bastia selbst hab ich dann noch die Altstadt von oben fotografiert. Das Moos hat die alten Schieferplatten auf den Dächern so schön gefärbt – ein sanftes Grün gegen das raue Grau. Ein letztes, leises Kontrastspiel, bevor es wirklich vorbei war.
Der Bus rollte voll mit Wein, Honig und bleibenden Eindrücken auf die Fähre. Und mit deutlich weniger Bremsen als am Anfang. Aber das passte irgendwie. Korsika nimmt dir nichts, ohne dir etwas zu geben. Und manchmal nimmt es eben auch ein bisschen Bremsbelag.
Danke, Korsika. Bis zur nächsten Kurve.























