Vor dem Urlaub hat mich eine Frage gequält: Schaffen wir es in das verlassene Atomkraftwerk bei Cienfuegos? Laut Berichten im Internet war der Zutritt unmöglich, ich hatte die Hoffnung also schon aufgegeben. Dann hielt auf der Fotomesse Wunderwelten in Friedrichshafen jemand einen Vortrag über Kuba und erzählte, er sei 2015 zweimal ohne Kontrolle hineingekommen. Plötzlich war das Kribbeln wieder da.
Am Tag des Kondolenzbuchs
An diesem Morgen herrschte in Cienfuegos reges Treiben: Nach Fidels Tod konnte sich jeder ins offizielle Kondolenzbuch eintragen, und die Stadt war voller Menschen und Polizisten. Ein guter Moment, dachten wir, um zum Kraftwerk zu fahren – vielleicht stehen dort heute weniger Wachen. Der Bau wurde kurz vor der Fertigstellung gestoppt, als die Sowjetunion zerfiel und der wichtigste Geldgeber wegbrach. Seitdem verfallen der Reaktor, die Gebäude ringsum und die Stadt, die einst für die Mitarbeiter geplant war.
Ein Pförtner zeigt den Weg
Am Ziel angekommen, haben wir lange in gebrochenem Spanisch mit einem Pförtner verhandelt – und plötzlich zeigte er uns einen Weg. Wir parkten abseits im Gebüsch und fanden dank Offline-Navi einen Trampelpfad zum Kraftwerk. An den Reaktor selbst kamen wir nicht heran, eine neue Sicherheitsfirma hatte ihn ummauert, vermutlich laufen dort Abbrucharbeiten. Die Gebäude daneben und die Kühlanlagen waren aber zugänglich – mit ordentlich Herzklopfen.
Grünes Holz zwischen abblätterndem Putz – ein Morgen in Cienfuegos.Rost, altes Holz, eine Hausnummer – und daneben schon die Schnauze eines Oldtimers.Ein blauer Lastwagen mit Zierkühler, dahinter gehen zwei Frauen vorbei.Zwei Männer zwischen Säcken im Lager, an der Wand: Acceso limitado.Eine hohe weiße Mauer, am Ende der Gasse ein Pferdekarren.Bunte Fassaden mit Balkon und ein grüner Oldtimer davor – Cienfuegos in Farbe.Like an America steht auf dem blauen Kleid – mitten auf einer Straße in Cienfuegos.Zwei Oldtimer vor den Rundbögen, daneben ein Brotverkäufer mit seinem Wagen.Passanten im Morgenlicht, vorne glänzt der Kühler eines Oldtimers.Geschwungenes Schmiedeeisen, verrostet, vor abgeblättertem Putz.Kappe, Sonnenbrille, Arm im Fenster: ein Busfahrer macht Pause.Eine rote Rose in der Hand – nach Fidels Tod war die Stadt voller Menschen.Die Schlange vor dem Kondolenzbuch, davor Mopeds und ein roter Wagen.Weiße Kittel auf der Straße: eine Frau weint, eine andere lacht.Die Menge vor dem Rathaus mit der roten Kuppel, darüber die kubanische Fahne.Eine Blume, ein Che-Shirt und ein Schild mit Comandante.Ein Polizist an der Absperrung – an diesem Tag waren sie überall.Die Schlange am Rathaus und eine Mauer mit Gracias Fidel.Eine ältere Frau im blauen Top schaut durch das Balkongitter.Unter Schirmen wird getrauert, daneben eine Frau ganz in Weiß.Zwei ältere Frauen mit Sonnenbrillen sitzen am Wasser.Ein verziertes Palais unter Palmen und ein blaues Haus mit Kuppel in Cienfuegos.Fast zugewachsen: ein kleines weißes Haus zwischen Geröll und Büschen am Kraftwerk.Schutt und Busch neben einer leeren Straße – das Gelände des Atomkraftwerks.Leere Betonbecken, in denen jetzt Büsche wachsen.Ein flaches, verfallenes Gebäude am Straßenrand im Busch.Betonplatten und Geröll, dahinter holt sich der Wald alles zurück.Auf der Piste grasen Kühe – sonst ist hier niemand.Ein Betonrest zwischen Bäumen auf dem Trampelpfad zum Kraftwerk.Die Zufahrt zum unfertigen Reaktor, die Kuppel liegt über dem Busch.Der Reaktor mit seiner Betonkuppel, daneben ein offenes Stahlgerüst.Kurz vor der Fertigstellung gestoppt: das Stahlgerüst eines Nebengebäudes.Stahlstützen über einem tiefen Schacht im Rohbau.Rostiger Stahl mit ausgeschnittenen Formen unter einem grünen Tank.Durch eine Öffnung in die lange Halle voller Stahlträger.Leerer Beton, durchs Fenster Rohre und Schutt – mit ordentlich Herzklopfen.Ein dunkler Gang, ganz hinten ein Licht.Die gerippte Betonhülle des Reaktors – heute ummauert, wir kamen nicht heran.Eine Schablone mit -2000 an der Wand und Metallteile im Schutt.Ein überdachter Gang zwischen Betonstützen, die Pflanzen wachsen hinein.Verbogene Bleche und zwei Rohrstutzen im Schutt.Mit Rucksack durch den dunklen Gang zur nächsten Tür.Der Reaktor durch eine Öffnung unter der Betondecke.Klein vor dem offenen Stahlskelett: ein Mann im blauen Hemd.Das Stahlskelett von unten und von der Seite – seit dem Ende der Sowjetunion verfällt es.Ein roter Pfeil auf grauem Beton zeigt ins Nirgendwo.Risse im trockenen Boden, zwei Steine, ein paar Halme.Eine brüchige Wand mit handgeschriebenem Text und einem Loch im Putz.Ein schmaler Pfad durch Geröll und dichtes Grün.Ein Schuttfeld mit Betonresten, hinten die Kuppel des Reaktors.Ein Wasserturm wie ein Pilz über Busch und Bauschutt.Zum Schluss nur noch eine Silhouette: der Reaktor am Abendhimmel.